Buchbesprechung

Randolf Hartmann:

Wagnisfinanzierung -

Neue Möglichkeiten  der Kapitalbeschaffung.

 

 

224 Seiten, Verlag moderne Industrie, München

 

Die Suche nach den Ursachen für Produktivitätsfortschritte ist in den letzten Jahren, die eine deutliche Wachstumsdrosselung brachten, intensiviert worden. Man will dadurch Möglichkeiten aufzeigen, technischen Fortschritt ,,machbar" zu machen. Diese lnnovationsforschung setzt am Modell des Innovationsprozesses an und versucht, für einzelne lnnovationsphasen (Entdeckung, Erfindung, Anwendung und. Markteinführung sowie Verbreitung) Einfluß- und Förderungsmöglichkeiten von Erfolgsrate und Geschwindigkeit des Prozesses aufzuzeigen. Die kritische Phase liegt dabei nicht so sehr in der Verfügbarkeit technischen Wissens als vielmehr in der Art und Weise seiner wirtschaftlichen Verwertung, da, wie der Autor meint, der Zeitraum von der Gewinnung des neuen technischen Wissens bis zur Einführung neuer Produkte oder Verfahren in Zukunft eher länger würde. ,,Dies folgt ganz allgemein aus der zunehmenden Komplexität technischer Sachverhalte" (S.14). Es kommt also darauf an, gerade für diese Perioden Hilfen zu geben. Aus dem Vergleich von Einrichtungen und staatlicher Innovationsförderung in der Bundesrepublik mit Institutionen in anderen Ländern, vor allem in den USA, Frankreich und Großbritannien geht hervor, dass es bei uns vor allem an einem ,,lebendigen Kapitalmarkt für innovative Unternehmen und Neugründungen durch Wagnisfinanzierung" mangelt.

Die Wagnisfinanzierung (ein vom Verfasser 1971 kreierter Begriff) ist ,,die Bereitstellung und unternehmerische Betreuung von Beteiligungskapital für Innovationen in einem Stadium mit noch großen Risiken, aber stark anwachsenden Erträgen" (S.74). Die Bewertung hat also auf die Ertragserwartungen abzustellen, die Investitionsrechnung hat sich an einer Cash-Flow-Projektion zu orientieren. Entsprechende Wagnisfinanzierungsgesellschaften, die vor allem die Innovationsphase kurz vor der Implementierung nachhaltig fördern könnten, existieren bislang in der Bundesrepublik nicht. Die seit 1965 etablierten Kapitalbeteiligungsgesellschaften können sie nicht ersetzen, da sie der Sicherheit der Anlage hohes Gewicht beimessen, und insofern Finanzierungen von neuen Technologien, die sich in einem frühen Stadium der lnnovationskette befinden, nicht übernehmen können, Der Verfasser betont jedoch nicht nur die Notwendigkeit einer solchen Wagnisfinanzierungsmöglichkeit, die auf Verlustbegrenzungen und  Sicherheiten verzichten muss; er diskutiert auch an einem Modell, wie eine solche Wagnis- finanzierung, zugeschnitten auf die speziellen  Gegebenheiten  unserer marktwirtschaftichen Ordnung, auszusehen hätte. Betont werden vor allem das Erfordernis der ausreichenden Risikostreuung sowie von kompetenten und erfahrenen Mitarbeitern, die eine partnerschaftliche beratende Unterstützung für den beteiligungswilligen Unternehmer bieten. Auch wird auf die Wichtigkeit einer internen Bewertung durch den Unternehmer hingewiesen, der von vornherein Erfolgskriterien einer innovativen Beteiligung nach verschiedenen Gruppen (Kapitalpartner, Produkt, Markt, Management) testen sollte.

Das Buch ist gleichermaßen ein Leitfaden für Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft: Es analysiert die volkswirtschaftlichen Hintergründe und die Notwendigkeit einer deutschen Innovationspolitik anhand internationaler Untersuchungen der lnnovationsforschung und anhand bestehender Institutionen auf dem Gebiet der lnnovationspolitik. Es bringt konkrete Vorschläge für die Einführung und Durchführung der Wagnisfinanzierung in der Bundesrepublik (S.138 ff: ,,Grundsätze der Geschäftspolitik einer Wagnisfinanzierungsgesellschaft"), wobei durch die Abgrenzung gegenüber den  bestehenden     Kapitalbeteiligungsgesellschaften einerseits und dem in den USA entwickelten Venture-Capital-Geschäft andererseits Ziel und Zweck der Wagnisfinanzierung klar herausgearbeitet werden. Dem Praktiker, und hier sind  zweifellos  vor  allem  angehende ,,Jungunternehmer" angesprochen, werden konkrete Anweisungen gegeben, wie er sich als Beteiligungssuchender zu verhalten hat und wodurch sich eine erfolgreiche Partnerschaft auszeichnet (S. 144 ff.).

Der Verfasser hat ein aktuelles und volkswirtschaftlich wie betriebswirtschaftlich höchst bedeutsames Thema umfassend, anschaulich und anhand vieler Beispiele behandelt. Man kann der Studie nur eine schnelle Verbreitung wünschen.

K. H. Oppenländer

Präsident des Ifo-Instituts

 

 

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